Der Einsparzähler kurz und knapp

Der Einsparzähler kurz und knapp

Hier geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Pilotprogramm Einsparzähler.

Was ist neu?

Der Deutsche Staat nutzt Steuergelder wie im Rahmen des Pilotprogramms im Kampf gegen den Klimawandel und zur Reduktion des Energieverbrauchs. Innovationsförderung auf Bundesebene folgt dabei strengen Regeln, die für Fairness zwischen den Unternehmen und auch auf Europäischer Ebene sorgen. Zwei Punkte sind in diesem Fall im Vergleich zu bisherigen Förderprogrammen hervorzuheben:

  1. Gefördert werden Projektierer. Normalerweise fließt die Förderung direkt an den Investor, beispielsweise wenn ein Unternehmen eine besonders effiziente Produktionsanlage kauft oder der Hausbesitzer seine Fassade dämmt. Im Einsparzähler werden jedoch Projektierer gefördert, also beispielsweise der technische Dienstleister, der das Energiemonitoring übernimmt, oder der Wärmeversorger im Gebäude. Das ist sehr sinnvoll, da der Aufwand für Entwicklung des Einsparzählers so bei den Experten für Energieeffizenz anfällt und auch gefördert wird. Der Endkunde erhält indirekt eine Vergünstigung, wird digital auf guter Datenbasis zu Einsparpotenzialen beraten und kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren.
  2. Förderung bemessen am nachhaltigen Einsparerfolg. Der Gesamtbetrag richtet sich nach den förderfähigen und nachweisbaren Kosten im Projekt. Eine Hälfte ist jedoch an besondere Bedingungen geknüpft: Um diese zu erhalten, müssen Einsparzähler Datenreihen über sichere Kanäle an die Förderstelle kommunizieren, um den Energieverbrauch vorher mit dem Energieverbrauch nachher zu vergleichen. Nur wenn tatsächlich eine Einsparung stattgefunden hat, wird der Betreiber des Einsparzähler Projektes belohnt.

Wer fördert wen?

Das Pilotprogramm Einsparzähler wurde vom Bundeswirtschaftsministerium 2016 ins Leben gerufen und wird vom BAFA administriert, einer nachgelagerten Behörde. Die geförderten Unternehmen sind Projektierer für Energieeffizienz und nutzen die staatliche Zuwendung um neue Geschäftsmodelle für Ihre Endkunden zu entwickeln.

Was haben alle Einsparzähler gemeinsam?

  1. Jeder Einsparzähler nutzt ein vollständiges Messkonzept zur Erfassung der relevanten Zuflüsse leitungsgebundener Energieträger, Strom, Gas, Wärme, Kälte. Um Verbräuche über die Zeit vergleichen zu können, werden Einflussgrößen über die Zeit erfasst und auch der resultierende Nutzen relativert die gemessenen Werte. Für komplexe Anwendungen im industriellen Umfeld schafft die Norm DIN EN ISO 50.001 und ihre Ergänzungen einen methodischen Standard, der auch im Einsparzähler das Maß der Dinge ist. Mit einem statistischen oder technischen Modell können Energieleistungskennzahlen zur Analyse herangezogen werden.
  2. Ein Kommunikationsmodul (oder auch Gateway genannt) übermittelt die Daten an einen Server, via DSL oder per Funk. Hochfrequente Messung generiert große Datenmengen, die schnell an die Grenze der verfügbaren Bandbreite stoßen. Die Frequenz der Übermittlung reicht je nach Anwendungsfall von 4x pro Stunde bis in den Bereich von Kilohertz, also tausende Werte pro Sekunde.
  3. Eine Software bereinigt und visualisiert die Messwerte und soll mit viel Expertenwissen und künstlicher Intelligenz Einsparpotenziale für den Endkunden erkennen aufzeigen. Durch eine Überwachung in Echtzeit können Ausfälle schon vor dem Eintreten aus den Daten erkannt werden, was im Ernstfall beispielsweise ein Mehrfamilienhaus im Winter vor dem Ausfall der Heizung bewahren könnte.

Beispiel Raumwärme

Das Messkonzept eines Einsparzählers für Raumwärme in Mehrfamilienhäusern könnte die Systemgrenze um das gesamte Haus legen. Das Primärsystem zur Wärmeerzeugung und das Sekundärsystem zur Verteilung der Wärme teilen sich den Wärmemengenzähler und das Kommunikationsmodul. Die Systemgrenze kann aber gleichwohl nur den Heizungskeller oder nur den Wohnbereich messen und optimieren, solange die Systemgrenze klar definiert ist. Neben dem Aufwand für Gas und Wärme ist auch der Allgemeinstrom interessant, da auch hier Einsparpotenziale schlummern.

Die Eigentümer einer Immobilie sind die Kunden für diesen Einsparzähler, aber mit dem Sekundärsystem werden indirekt auch die Bewohner involviert. Hier lassen sich eine Reihe von Mehrwertdiensten anknüpfen, beispielsweise Messstellenbetrieb und Verbrauchsabrechnung oder die vorausschauende Instandhaltung für der Heizanlage.

Beispiel Strom im Haushalt

Das Messkonzept für die Erfassung des Stromverbrauchs in einzelnen Wohnungen ist vergleichsweise unkompliziert. Auf der abrechnungsrelevanten Messstelle wird der alte Hutschnur-Zähler mit einem Smartmeter für hochfrequente Messung und Übertragung installiert. Falls das Gebäude über eine Photovoltaik-Anlage verfügt, wird diese gesondert erfasst.

Ziel ist die Visualisierung von Mehrwertdiensten und vollständiger Verbrauchstransparenz. Der Kunde erhält individuelle Hinweise und kann von überall auf die Informationen zugreifen. Sind der Ofen und das Bügeleisen auch tatsächlich aus? Lohnt sich der Tausch des Kühlschranks? Eine intelligente Analyse in der Software erkennt den Verbrauch einzelner Geräte im Haushalt. So können beispielsweise automatisch neue Spülmaschinentabs bestellt werden, wenn die Maschine oft genug lief. Die Entwicklung von Mehrwertdiensten und neuen Geschäftsmodellen für Haushaltskunden läuft auf Hochtouren, gerade auch im Hinblick auf die Kopplung der Sektoren mit Wärme und E-Mobilität.

Komplexe Anwendungen

Die ISO-Norm 50.001 beschreibt eine Methodik zur Beurteilung des Energieverbrauchs im industriellen Umfeld. An diesen Anforderungen orientieren sich auch die Einsparzähler Piloten für diese Zielgruppe. Die Anwendungsfelder sind umfangreich und werden anhand von Beispielen konkretisierte: Auf den Seiten des BAFA zum Pilotprogramm finden Sie ein Briefing zur Betriebsoptimierung eines Druckluftsystems.