Einsparzähler 2016-2018: digitale Energiedienstleistungen für die Energiewende und Effizienzsteigerungen

Einsparzähler 2016-2018: digitale Energiedienstleistungen für die Energiewende und Effizienzsteigerungen

Die Pitch-Runde am zweiten Tag der E-World Energy and Water 2019 in Essen stieß seitens der Zuhörer auf großes Interesse. Auf der Messe präsentierten acht Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen, die sie im Rahmen des Einsparzähler Pilotprogramms auf den Weg gebracht haben. Eingeführt wurde das Ganze von dem Gründer des Netzwerks der Unternehmen im Einsparzähler, Filip Milojkovic von Smartnet Energy.

Die erste Förderbekanntmachung des Pilotprogramms lief von 2016 bis 2018 und wurde kürzlich novelliert. Am 21. Februar 2019 wurde nun die neue Förderbekanntmachung veröffentlicht. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Fördervolumen wurde von 1 Mio. Euro auf 2 Mio. Euro erhöht.
  • Stärkere Gewichtung der Leistungsabhängigen Komponenten mit nunmehr einem Anteil von 75%. Die Ermöglichungskomponente wird auf 25% gesenkt.
  • Zusätzlich werden Einsparungen bei Öl und Biomasse mit 5ct/kWh vergütet.
  • Eine Primärenergieeinsparung wird mit 4 ct/kWh vergütet.
  • Antragsteller müssen bereits bei Antragstellung eine Zielmarktanalyse mit Geschäfts- und Skalierungsplan einreichen.
  • Einführung sogenannter Leuchtturmprojekte. Eine Konkretisierung steht noch aus.

Acht Pilotprojekte stellen sich vor

Einer der ersten Antragsteller im Pilotprogramm Einsparzähler war Stefan Scherz, Geschäftsführer der EWUS Effiziente Wärme- und Stromlieferung GmbH. Im Rahmen des Förderprogramms wurde ein Expertensystem für den Heizungskeller aufgebaut, das bereits Mitte diesen Jahres fertiggestellt werden soll. Mit diesem System können detailliert Informationen über das Heizsystem erfasst, Fehler erkannt und automatisierte Empfehlungen basierend auf eigens entwickelten Algorithmen gegeben werden. Die bereits 500 Anlagen reichern das Wissen des Expertensystems an.

Faunder Energy GmbH, repräsentiert durch Matthias Hemmerle, war der 11. Antragsteller im Pilotprogramm. Das Unternehmen begann ursprünglich mit Gebäudeleittechnik und kombinierte dies mit Energietechnik. Mit eigens entwickeltem Gateway und Sensoren und einem modularen Konzept können sowohl Strom- als auch Wärmeverbräuche auf Gebäude- und auf Raumebene effektiv reduziert werden.

Die Kunden des IfE Ingenieurbüro für Energiewirtschaft GmbH sind hingegen in der Industrie und in den Kommunen zu finden. Dort bietet das Unternehmen persönliche Beratung beim Energiesparen an. Das System baut dabei im Vergleich zu anderen Systemen nicht auf Algorithmen, sondern auf Messungen auf Anlagenebene auf.

Der vierte präsentierte Einsparzähler von logarithmo verfolgt insbesondere das Ziel, eine digitale, KI-basierte Energieberatung zu entwickeln und eine spezielle Kundengruppe, nämlich Multi-Sites wie Kommunen, Filialisten und Gewerbe/Industrie mit vergleichbaren Standorten, zu gewinnen. Logarithmo ist ein Experte bei der intelligenten Auswertung von Verbrauchsdaten und der schnellen Umsetzung von neuen Web-Apps. So können neue Lösungen für die individuellen Fragestellungen der Kunden in kürzester Zeit umgesetzt werden.

Einen ganz anderen Fokus wiederum nimmt Solandeo ein. Das Unternehmen übernimmt den Messstellenbetrieb von Biogasanlagen und ermöglicht dadurch nicht nur Energieeffizienzsteigerungen durch automatische Verbrauchsdatenanalyse, sondern gibt einen Teil der Fördermittel des BAFA an den Betreiber weiter. Definiertes Ziel ist es, Biogasanlagen für die Zeit nach dem EEG rentabel zu machen.

Julian Halbey von EINHUNDERT Energie will mit seinem Konzept denjenigen Unternehmen Einsparungen ermöglichen, die im Gegensatz zu großen Industriebetrieben (ab 100 MWh pro Jahr) bisher nicht von vergünstigten Strompreisen und digitalen Energieservices profitieren, wie beispielsweise Gastronomie, Bürogebäude und Arztpraxen. In einem ersten Schritt setzt EINHUNDERT auf maximale Verbrauchs- und Kostentransparenz, um bei den Kunden Einsparungen zu erzielen. Darauf aufbauend folgen später weitere datenbasierte Analysen und Mehrwertdienste, die immer mehr auch das ganze Gebäude in den Blick nehmen, z.B. in Mieterstromprojekten. Für das Messkonzept in dieser Kundengruppe müssen teils recht sensible Daten erhoben werden, die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Kunden ihre Daten gerne zur Verfügung stellen, da sie den Mehrwert erkennen, der Ihnen geboten wird.

„From Megawatts to Megabytes … to Megavalue“. So wirbt Christian Bogatu, Gründer von Fresh Energy für die Mehrwertdienste, die das Unternehmen basierend auf Non-Intrusive Load Monitoring seinen Haushaltskunden zur Verfügung stellt. Dabei geht es neben der Einsparung von Energie und dem Umweltschutz hauptsächlich um den Mehrwert für die Kunden. Ein Beispiel ist z.B. die Möglichkeit, Dienstleistungen im Bereich Altenpflege anzubieten, allein auf der Basis von Energiedaten.

Abschließend stellte Nikolaus Starzacher von Discovergy sein Einsparzähler Projekt vor. Mit Echtzeit-Datenerfassung verfolgt Discovergy das Ziel, Smart Metering Lösungen mit echtem Kundennutzen anzubieten. Durch die Energievisualisierung in Echtzeit erhalten Kunden volle Transparenz und Kontrolle über ihren Energieverbrauch und -Kosten. Neben klassischen Hauptverbrauchern in privaten Haushalten, wie Trockner und Spülmaschine, kann Discovergy seit Neuestem nun auch Elektromobilität darstellen.

Wieder einmal ist deutlich geworden, wie viele Möglichkeiten und Geschäftsmodelle das Pilotprogramm Einsparzähler zulässt und fördert. Bis Ende 2018 sind 90 Anträge eingegangen, von denen gut zwei Drittel bereits gefördert werden. Trotz dieser Diversität folgen alle demselben Prinzip: Erhebung von Daten mithilfe eines Messkonzepts und Einsparung bei Kunden durch Analyse und Visualisierung erzielen. Dabei ist es fast egal, ob ein Miet- oder Kaufmodell zum Einsatz kommt. Das Ergebnis ist immer das gleiche: sowohl der Kunde als auch das Unternehmen profitieren schon nach wenigen Jahren, allein durch die erzielten Einsparungen. Daher war auch dieses Jahr abschließend der Aufruf “Unsere Message auf der Messe Essen ist Messen!“

 


Die Präsentationen können hier heruntergeladen werden:

Filip Milojkovic, SmartnetEnergy
Stefan Scherz, EWUS Effiziente Wärme- und Stromlieferung
Matthias Hemmerle, Faunder Energy
Sven Christian Müller, logarithmo
Tarik El-Laboudy, Solandeo
Julian Halbey, EINHUNDERT
Christian Bogatu, Fresh Energy
Nikolaus Starzacher, Discovergy