Mehrwerte für die Steigerung der Energieeffizienz durch Kooperationen

Mehrwerte für die Steigerung der Energieeffizienz durch Kooperationen

Zwei Fragen an Dr. Ingrid Nestle über die Rolle von erfolgsbasierten Fördermechanismen und Freiraum für experimentelle Entwicklung im Vorlauf zur Keynote „Energiemarktdesign im digitalen Zeitalter“ am 10. Oktober auf der Konferenz von Smartnet Energy.

Dr. Ingrid Nestele ist seit 2017 Sprecherin für Energiewirtschaft der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und setzt sich insbesondere für den Ausbau erneuerbarer Energien, den Ausbau intelligente Verteilnetze und intelligente Steuerungstechnik und für einen ehrlichen CO²-Preis ein. Daneben befasst sie sich mit Themen wie der Klimakrise und Steueroasen auf bundespolitischer Ebene.

 

Neben dem Pilotprogramm Einsparzähler gibt es weitere Förderprogramme, die die Steigerung der Energieeffizienz zum Ziel haben. Eines davon ist STEPup! Welche Chancen ergeben sich aus erfolgsbasierten Fördermechanismen wie STEPup! und dem Pilotprogramm Einsparzähler?

STEPup! fördert durch den Austausch von Anlagen durch Hocheffizienztechnologie die Steigerung der Energieeffizienz im gewerblichen- und industriellen Kontext. Als hinderlich bei STEPup! sehe ich allerdings die sehr starren Ausschreibungsregeln. Sie verhindern, dass sich Unternehmen mit selbst entwickelten innovativen Ideen bewerben können. Das zeigte auch der geringe Abruf an Fördermitteln bei diesem Projekt. In 2017 wurden 150 Millionen im Haushalt dafür bereitgestellt und nur 1,5 Millionen abgerufen. Das ist schade, denn mehr Fortschritte bei der Energieeffizienz sind dringend notwendig.

Das Pilotprojekt „Einsparzähler“ fördert Energiedienstleister und ist somit ein wichtiger Schritt um die Digitalisierung auch zur Verbesserung der Energieeffizienz zu nutzen. Ich sehe dadurch Chancen um innovative Energiedienstleistungen zu entwickeln, die zu einer Energieeinsparung für die Endkunden beitragen können. Generell sind solche Programme wichtige Impulsgeber für Innovation.

 

Um neue Technologien wie eine Blockchain zur dezentralen Abwicklung von Erzeugung und Verbrauch zu ermöglichen braucht es Freiraum für Experimente. Reichen dafür Forschungsprojekte wie bspw. die Schaufenster für die nachhaltige Energiewende Windnode und C/sells?

Die genannten Forschungsprojekte und andere Schaufensterprojekte wie NEW 4.0 schaffen wichtige Freiräume für Experimente. Allerdings finde ich die Möglichkeiten innerhalb der Schaufensterprojekte nicht ausreichend. Deshalb sind schon viele weit entwickelte Projekte wieder abgesagt worden. Und nicht alles kann in ein Schaufenster oder Forschungsprojekt gedrängt werden. Deshalb ist auch generell eine Reform der Abgaben und Umlagen notwendig. Der derzeitige Markt hindert viele innovative Geschäftsideen an der Umsetzung.

Das betrifft sowohl die Hebung und Vermarktung von Flexibilität im Strommarkt als auch die Zugangsmöglichkeiten der Bürger zu den Märkten. Eine immer dezentraler werdende Energielandschaft ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern Strom nicht nur von einem Anbieter zu kaufen sondern selbst zu aktiven Marktteilnehmern zu werden. Dafür brauchen sie Zugang zu Daten und realistische Preissignale. Die Regierung muss dafür endlich die seit langem erwartete Reform der Abgaben, Umlagen und Entgelte angehen. CO2 braucht einen Preis und zeitlich und regional netzdienliches Verhalten muss endlich adäquat vergütet werden.

 

Die Veranstaltung „Software und Data-Service für digitale Energiedienstleistungen (dEDL)“ befasst sich genau mit der Frage nach dem Mehrwert von Open Data für die Steigerung von Energieeffizienz im gewerblichen und industriellen Umfeld aber auch in Haushalten. Dabei werden neben Inputs aus der Wirtschaft konkrete Kriterien für eine einheitliche Darstellung der Messwerte erarbeitet und Kooperationen zwischen wissenschaftlichen Instituten und Fördermittelempfängern im Pilotprogramm Einsparzähler forciert.