Wer mitmacht zählt! Ein Podcast zur Digitalisierung der Energiewende

Wer mitmacht zählt! Ein Podcast zur Digitalisierung der Energiewende

Erste Episode unseres Podcasts: 


Hier ein Transkript der Podcastepisode zum Lesen statt Hören. 

Liebe Zuhörer,

ich begrüße Euch herzlich zur ersten Episode des ersten Podcasts zur Digitalisierung der Energiewende. Ich bin der Filip von Smartnet Energy.

Was heißt eigentlich digital im Zusammenhang mit Energiewende? Für mich heißt digital in erster Linie automatisiert und intelligent, ohne regelmäßigen Eingriff des Menschen. Im Energiebereich wird das erst mit hochaufgelöster Energieverbrauchsmessung möglich, im Minutentakt, auf Sekundenebene oder sogar im Kilohertzbereich. Meine zentrale These ist: Ohne Smartmeter und Echtzeitinformationen zum aktuellen Verbrauch schaffen wir die Energiewende nicht. Warum das so ist, und welche technischen und organisatorischen Lösungen uns heute und in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen – darüber werde ich mich mit den Machern und Vordenkern der Energiewende unterhalten.

Wer mitmacht zählt!

Ich heiße Filip Milojkovic und das hier ist der Prolog, der Einstieg, der Kickoff für intensive Diskussionen über unser Energiesystem der Zukunft. Wir starten hier als Amateur-Projekt, aber durchaus mit Ambitionen – der Podcast soll ein zentrales Element in der Kommunikation werden. Hier und heute gebe ich Euch zunächst einen kurzen Ausblick auf die kommenden Inhalte und stelle Euch die Bewegung vor. Wir haben nur einen Planeten und den müssen wir schützen. Hier in Deutschland haben wir ja zumindest einen gesellschaftlichen Konsens, dass es den Klimawandel gibt, und dass wir unsere gesellschaftlichen Strukturen dekarbonisieren müssen, das Ziel ist vollkommen klar, das CO2 muss weg. Neben der Erzeugung aus erneuerbaren Quellen ist die Energieeffizienz das zweite und mindestens genauso wichtige Standbein in einem intelligenten Energiesystem der Zukunft. Der Weg zum Ziel ist nicht nur grüne Energie zu produzieren, sondern vor allem viel weniger davon verbrauchen.

Für ein wenig Kontext, hier mal paar Zahlen von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Im Jahr 2016 kam gerade mal jede achte Kilowattstunde des Primärenergieverbrauchs über alle Sektoren in Deutschland aus erneuerbaren Quellen.[1] Dazu gehört natürlich grüner Strom, den kennen mittlerweile alle und hier ist Deutschland mit knapp 30% des Stromverbrauchs auch schon ziemlich gut im internationalen Vergleich. Aber Energie kann viele andere Formen annehmen und selbst wenn wir unseren Stromverbrauch vollständig und nachhaltig aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse decken könnten, sind wir noch lange nicht am Ziel. Dass wir auch in den anderen Sektoren endlich mehr tun müssen wird klar, wenn man sich den Primärenergieverbrauch aus Mineralöl und Erdgas anschaut, der zusammengenommen immer noch über 55% unseres Verbrauchs ausmacht. Hier ist natürlich der Verkehr mit alten Motoren die relevante Größe, aber auch im Wärmebereich gibt es immens hohes Einsparpotenzial.

Hier soll deutlich werden, dass wir insgesamt noch viel zu langsam sind – aus technischer Perspektive, aber auch mit der individuellen Bereitschaft selbst aktiv etwas beizutragen. Um wirklich voranzukommen sind wir alle gefragt. Das kann in manchen Punkten ungemütlich werden, aber: Wer mitmacht zählt!

Das hier sind die Leitfragen, die diesen Podcast motivieren:

  • Wie kann die Digitalisierung der Energiewende uns dabei helfen die Energieeffizienz zu verbessern und insgesamt weniger Energie zu verbrauchen?
  • Was sind eigentlich Smartmeter, und welche Vorteile und Nachteile haben Unternehmen und Verbraucher von der Einführung?
  • Warum brauchen wir Smartmeter, um den Verbrauch in Einklang mit der stark fluktuierenden Erzeugung aus erneuerbaren Quellen zu bringen?
  • Welche Geschäftsmodelle für Energieeffizienz sind vielversprechend, kurz-, mittel- und langfristig?
  • Wie wird aus der bisherigen Stromwende eine Wärmewende und eine Verkehrswende?
  • Wie können wir sicherstellen, dass dabei der Datenschutz gewahrt bleibt und unsere persönlichen Daten auch sicher sind?
  • Welche Rolle spielt der Mensch und sein Verhalten in seinem sozialen Umfeld?

Die These

In den kommenden Episoden dieses Podcasts möchte ich mit meinen Gesprächspartnern auf diese Fragen eingehen und Euch den aktuellen Stand der Technik zeigen. Die These ist dabei, ohne einen Tacho wissen wir nicht wie schnell wir fahren. Diese Analogie gilt auch für den Energieverbrauch. Wenn du erst am Ende des Jahres eine Abrechnung kriegst, hast du keine Möglichkeit dein Verhalten anzupassen um Energie einzusparen. Eine hochaufgelöste Echtzeit-Messung und die darauf basierende intelligente Steuerung macht eine schrittweise Kopplung der Sektoren erst möglich. Strom, Wärme und Verkehr werden in den nächsten Jahren immer mehr zu einem einzigen Pool diverser Energieträger verschmelzen. Ohne Smartmeter kommen wir also nicht von der zentralistischen Energieerzeugung aus großen Kraftwerken wie im 20. Jahrhundert hin zu einer dezentralen Struktur vieler kleiner und effizienter Erzeuger, bei Euch im Keller, auf dem Dach oder im Vorgarten.

Ganz wichtig finde ich auch folgenden Punkt: Mit der dezentralen Erzeugung wird Energie auch wieder resozialisiert, weil die im direkten Umfeld erzeugten Strom- und Wärmemengen auch größtenteils dort verbraucht werden können, ohne dass Dritte daran viel Marge machen. Damit die Eigenerzeugung und der Netzbezug gut zusammenspielen können, braucht es hochfrequente Messung. Wer mitmacht zählt.

Förderprogramme und öffentliche Finanzierung

Die öffentliche Debatte über die Details, wie die Energiesektoren gekoppelt werden können, wird mit harten Bandagen geführt. Ordnungspolitische Entscheidungen haben immer auch eine Umverteilung von Geld und zukünftigem Umsatz als Konsequenz. Welche Techniken und Technologien versprechen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und genießen Akzeptanz bei Unternehmen und Haushalten? Zurzeit ist das Wirtschaftsministerium verantwortlich für das Thema Energie und hat seit 2016 unter anderem zwei sehr interessante Förderprogramme ins Leben gerufen. Beide sollen zu einer schnelleren Entwicklung von technischen Lösungen und Geschäftsmodellen für Energieeffizienz beitragen. Das Programm „Wärmenetze 4.0“ finanziert Machbarkeitsstudien und die Umsetzung von modernen und intelligenten Wärmenetzen mit hohen regenerativen Anteilen. Der Fachbegriff ist multivalentes Netz: viele Erzeuger speisen in das Netz in den Pool ein, aus dem sich viele Verbraucher dann bedienen. 

Außerdem gibt es das „Pilotprogramm Einsparzähler“. Das Programm unterstützt die Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen. Projektierer für Energieeffizienz entwickeln hier eine Kombination von Software mit Mess- und Übertragungstechnik, mit dem Ziel weitgehender Transparenz des Verbrauchs, und zwar immer leitungsgebundener Energieträger, Strom Gas Wärme Kälte. Das neue daran ist, dass zum ersten Mal in der deutschen Förderlandschaft auf Bundesebene ein Teil der Fördergelder abhängig von den tatsächlich nachgewiesenen Einsparungen ausgeschüttet wird.  Diesen Punkt kann man gar nicht genug betonen: Bislang sind die verfügbaren Fördermittel in der Regel ausschließlich an den Anschaffungskosten für eine energiesparende Technologie orientiert. Ob durch die Investition in ­den Folgejahren tatsächlich wie berechnet und erwartet eine Veränderung des Verbrauchs eintritt, bleibt dem Fördergeber und damit dem Steuerzahler bislang völlig unbekannt, in der Regel.

Das gilt für Milliarden an öffentlichen Fördermitteln, die jährlich, zugegenermaßen mit guten Intentionen, ausgeschüttet werden. Um den Erfolg einer Investition tatsächlich zu beziffern, hilft nur ein Blick auf die Differenz der Verbräuche vorher und nachher, methodisch sauber um Einflussfaktoren bereinigt. Das können die Außentemperaturen sein, oder auch die Menge eines Produkts, das man mit dem Input erzeugt hat. Die dafür nötige Messtechnik ist am Markt verfügbar, bezahlbar und wird ständig weiterentwickelt. Die Methodik ist auch etabliert. Für Haushaltsanwendung ist es nicht so kompliziert, da muss man um den Wärmeverbrauch zu beurteilen eigentlich nur das Wetter herausrechnen, sonst nichts. Für industrielle Prozesse wird es beliebig komplex, aber auch hierfür gibt es eine Methodik, nämlich die DIN EN ISO Fünfzigtausender-Familie, die die Anforderungen an ein entsprechendes System darstelle. Deshalb ist gerade hier extrem wichtig: Wer mitmacht zählt, und zwar nicht nur den Verbrauch, sondern auch die Einflussfaktoren!

Die Bewegung

Das ist nun der entscheidende Punkt hier: Ich bin der Meinung, dass kein Euro öffentlicher Fördergelder für Investitionen in Energieeffizienz mehr ausgegeben werden darf, ohne dass der Erfolg nachhaltig überwacht wird, und zwar gemessen an den erreichten Einsparungen. Und das gilt für alle Bereiche, bei der Gebäudesanierung, im Haushalt, im Gewerbe oder in der Industrie.

Da fallen einem natürlich sofort einige Institutionen und Unternehmen, von denen wir uns hier deutlich abgrenzen sollten. Und gleichzeitig habe ich mir das ja auch nicht alles selber ausgedacht und es gibt eine Reihe Unternehmen und Institutionen, die diesen Punkt ganz genauso sehen und die für einen Rollout von Messtechnik kämpfen. Hier von einem Kampf zu sprechen mag auf den ersten Blick etwas zu intensiv scheinen, aber es sind Milliarden an Euro jedes Jahr im öffentlichen Haushalt, auf Bundes- und Landesebene, die neu allokiert werden müssten, wenn unser Motto streng umgesetzt wird: Wer mitmacht zählt. Am Status Quo hängen viele Arbeitsplätz, daran hängen auch viele Geschäftsmodelle. In dieser ersten Folge reden wir noch nicht explizit über Freund und Feind, aber das kommt später, ich werde Ross und Reiter nennen, versprochen.

Kuratierung und der Podcast als Medium

Die Audio-Aufnahme als Medium zur Informationsvermittlung ist ein uraltes Format. Mit überschaubarem technischem Equipment und Aufwand kann heute eigentlich jeder einen Text einsprechen und seinen eigenen Podcast ins Netz stellen. Ich bin das beste Beispiel, ich fange einfach an mit dem Podcasten und schaue mal wie weit ich damit komme. Daher bitte ich zu Beginn um gewisse Nachsicht was meine Sprechtechnik und auch die technische Umsetzung des Podcasts angeht.

Es werden immer mehr Podcaster, seien es Hobby-Projekte oder Marketinginstrumente von Unternehmen, die Szene wächst immer schneller. Als ich vor einigen Jahren für mich entdeckt habe, wie sehr ich das Medium schätze, habe ich vor allem mit Audio-Versionen von Magazinen beschäftigt, beispielsweise der deutschen BrandEins oder dem englischen Economist, wobei die ja nicht im engen Sinne als Podcasts zu sehen sind. Das Thema, mit dem ich mich am meisten beschäftige, ist aber auf der Audio-Spur echt unterrepräsentiert. Dieser Podcast ist kostenlos und wird das auch erstmal so bleiben. 

Hier steht der Inhalt im Fokus, nicht die Produkte bestimmter Hersteller. Gleichzeitig kann und will ich nicht behaupten, dass ich gänzlich unabhängig sei. Ich verdiene mein Geld mit der Beratung von Unternehmen der Energiewirtschaft, meist kleine und mittlere Unternehmen mit innovativen Ansätzen. Das sind alles Unternehmen, deren Geschäftsmodell die Messung und häufig auch die Steuerung des Energieverbrauchs umfasst. Mit diesem Podcast möchte ich auch diesen neuen Geschäftsmodellen für Energieeffizenz und den relativ jungen Markt für intelligente Lösungen zum Energiemanagement in Unternehmen und Haushalten unterstützen.

Wie geht’s weiter?

Die nächste Episode ist ein Mitschnitt einer Veranstaltung von Smartnet Energy auf der E-World 2018 in Essen. Am 6. Februar stellen 14 Unternehmen in aller Kürze ihren Ansatz und das Geschäftsmodell für Energieeffizienz vor, die alle im Rahmen des oben schon erwähnten Pilotprogramms Einsparzähler des Wirtschaftsministeriums gefördert werden. Während ich heute keine Namen nenne, wird die nächste Episode das genaue Gegenteil.

[1] Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V. (AGEB)